Ein Reich für Kinder

Liebe Eltern und alle, denen Kinder am Herzen liegen,

es macht einen Unterschied, ob wir am Land oder in der Stadt aufwachsen, ob im hohen Norden oder am Äquator. Was aber alle Kinder brauchen, egal, wo sie geboren werden, ist eine Umgebung, in der sie sich möglichst frei erproben und entfalten können. Das ist leichter gesagt, als getan, ich weiß. Wie überall mussten viele Spielräume der Natur zu Nutzräumen für Landwirtschaft und Industrie werden.

Ich liebte als Kind „wilde“ Orte, wie Dickichte und Hecken, in denen wir uns verstecken konnten oder Wald, in dem es etwas zu entdecken gab. Gefährliche Orte in den Augen der Erwachsenen, wunderbar inspirierend aus unserer Sicht. Auch heute sehnen sich Kinder nach Plätzen, die Abenteuer versprechen und zum Spielen einladen. Heute denke ich, dass es gar nicht so sehr der Ort war, sondern die Stimmung, die dort lebte, die uns bezauberte und ins Reich des fantasievollen Spiels entführte – in unsere ureigene Erfahrungswelt.

Daran musste ich oft denken, als wir unsere Einrichtung konzipierten, ausgestalteten und einrichteten: Sie sollte ein Ort sein, den Kinder zu ihrem eigenen Reich machen können – immer wieder aufs Neue für die Dauer des jeweiligen Spiels. Wir Erwachsenen, die dort mit den Kindern zusammen sind, sehen es als unsere Hauptaufgabe, die kleinen Helden in einer Stimmung zu betreuen und zu begleiten, die es ihnen erlaubt, mühelos in ihre eigene Welt zu schlüpfen und dort Abenteuer zu bestehen, aus denen sie mutiger und kompetenter ins „wirkliche Leben“ zurückkehren. Das gelingt, wenn wir uns an das erinnern, was schon der kleine Prinz wusste: Das Wesentliche (an Kind und Spiel) ist für die Augen unsichtbar…

Ihre Katharina Offenborn